17. Mai 2020

Ich-Botschaften: Von der Konfrontation zum Dialog

Probleme vermeiden mit konstruktiver Kommunikation

Im Arbeitsalltag gibt es genug Futter für Konfrontationen. Gerade wenn Kritik nötig ist und geäußert werden soll, kann es zu Konflikten kommen. Das eigentliche Ziel der Kritik, eine Verbesserung, wird nicht erreicht oder lässt sich nur auf Kosten des Arbeitsklimas erreichen. Besonders Führungskräfte müssen dabei auf ihre Kommunikationsweise achten.

Ich gebe dir ein paar Tipps, wie du mit der richtigen Kommunikationsweise Konflikte vermeidest und Kritik fruchtbar äußern kannst.

Ich und Du, Müllers Kuh - Falsche Ich-Botschaften vermeiden

Der amerikanische Psychologe Thomas Gordon prägte in den 70er Jahren den Begriff der "Ich-Botschaft" als Teil seines "Gordon-Modells" zur Lösung von Konflikten. Dieses Modell bezieht sich primär auf die Kommunikation innerhalb von Familien, lässt sich aber auch wunderbar auf andere Situationen übertragen. (Und sind nicht Unternehmen auch irgendwie wie eine große Familie?)

Wir befinden uns häufig in der Situation, dass wir während der alltäglichen Kommunikation auf Du-Botschaften zurückgreifen:

"Du hast schon wieder ... ", "Ich hab dir doch gesagt, du sollst ...", "Du bist immer ... "

Klingt vertraut, oder? (Und ganz bestimmt nicht angenehm.)

Das Problem ist, dass solche Du-Botschaften wie ein persönlicher Angriff wirken. Werden wir mit dieser Art Botschaft konfrontiert, dann geraten wir schnell in eine Abwehrhaltung. Anstatt uns in die Lage unseres Gegenüber zu versetzen und ihn zu verstehen, verteidigen wir uns. Die Intention hinter der Botschaft dringt gar nicht zu uns durch. Es kommt eher zu einem Konflikt als zu einem konstruktiven Gespräch.

Ich-Botschaften und Verletzlichkeit

Der Schlüssel ist hier die Ich-Botschaft. Das bedeutet nicht, dass du einfach das "Du" gegen ein "Ich" tauschen sollst. Es geht vielmehr darum, deine persönlichen Bedürfnisse und Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Klar, du zeigst damit Verletzlichkeit. Aber das hilft deinem Gegenüber, dich als Mensch wahrzunehmen und deine Position zu verstehen. Außerdem ist er eher geneigt, sich zu öffnen, anstatt sich in Abwehrhaltung zu verschließen.

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Eine echte Ich-Botschaft

Ich-Botschaften helfen dabei, deinem Gegenüber die eigene Situation verständlich darzulegen und mit einem Gesuch zu verknüpfen. Zum Beispiel im Falle von Kritik.Konkret setzt sich eine solche echte Ich-Botschaft aus folgenden Komponenten – und in dieser Reihenfolge – zusammen:

  • Ich
  • Sachaussage (eine Feststellung/Tatsache/Vermutung)
  • meine eigenen Bedürfnisse und Gefühle
  • mein Appell

Bei der Formulierung der Ich-Botschaft ist es vorteilhaft, wenn du Verallgemeinerungen oder Zuschreibungen vermeidest. Berücksichtige bei der Formulierung, dass du dein Problem erklärst und nicht dein Gegenüber selber als das Problem darstellst. Sonst drängst du dein Gegenüber zu schnell in eine Ecke.

So könnten Ich-Botschaften aussehen:

"Es hat mich geärgert, dass ich [Grund für Ärgernis]"
"Ich fühle mich nicht ernstgenommen / nicht respektiert. Bitte achte in Zukunft darauf [...] / Bitte nimm Rücksicht auf [...]"

Behalte diese Formulierungstipps im Hinterkopf. Du wirst sehen, dass du so effektiver Konflikte vermeiden, bessere Feedback-Gespräche führen und zu einem besseren Arbeitsklima in deinem Unternehmen beitragen kannst.


Ich wünsche dir viel Erfolg! 

Nils

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