14. August 2020

Kritikkultur: Mit Ja-Sagern umgehen

Das Wort

Tipps für eine bessere Kritikkultur in deinem Unternehmen

Kritik zu äußern fällt nicht immer leicht. Besonders, wenn die zu kritisierende Person der eigene Chef ist. Auch wenn sie sich mit Kritik zurückhalten: Ja-Sager können kritisch für das Wachstum deines Unternehmens sein.

In diesem Artikel gebe ich dir ein paar Tipps für eine bessere Kritik- und Feedback-Kultur.

Niemand kann alles

Als Führungskraft hast du in der Regel viel um die Ohren. Du musst ständig Entscheidungen treffen, eine ganze Menge längerfristig Planen und dabei immer auch dein Tagesgeschäft im Auge behalten. Dass dabei nicht jede Entscheidung, Herangehensweise oder Idee das goldene vom Ei sein kann, ist klar. Geschäftsführer sind in der Regel keine Superhelden sondern auch ganz normale Menschen mit Schwächen, die auch mal Fehler machen oder etwas falsch einschätzen. Immerhin steht man als Chef häufig unter Druck.

Wenn es da also einmal nicht so rund läuft, ist es toll, wenn man sich auf Feedback und Kritik der Mitarbeiter verlassen kann.

Aber kannst du dich auch tatsächlich in Sachen Kritik gut auf deine Mitarbeiter verlassen?

Bist du von Ja-Sagern umgeben?

Wenn dir auffällt, dass deine Mitarbeiter dir überdurchschnittlich oft zustimmen, alles abnicken oder alles schweigend hinnehmen, dann ist das ein Warnsignal.

Als Chef oder Vorgesetzter bist du nämlich auf ehrliche und konstruktive Kritik deiner Mitarbeiter angewiesen: Ein Unternehmen kann sich nicht verbessern, weiterentwickeln und wachsen, wenn nicht kritisiert wird. Und Einsprüche, Widersprüche, alternative Vorschläge und frische Ideen sind dabei die Grundlage für Wachstum und Erfolg.

Umso wichtiger ist es, eine gesunde Kritikkultur in deinem Unternehmen zu etablieren.

Ja-Sager enttarnen

Wenn dir deine Mitarbeiter zustimmen, ist das natürlich erst einmal nichts schlechtes (auch wenn es sich lohnt, trotz guter Ideen oder Entscheidungen nach möglichen Gegenargumenten oder alternativen Vorschlägen zu fragen). Wenn das aber zu oft und zu viel passiert, dann könnte etwas schief laufen. Wichtig ist dabei, Ja-Sager zu identifizieren, damit du etwas ändern kannst.

Achte dabei vor allem auf die Körpersprache. Wenn Menschen nicht ehrlich sind, lässt sich das häufig gut erkennen. Typische Signale für falsche Zustimmung können zum Beispiel sein:

  • ausweichender Blick / kein Augenkontakt
  • kein oder nur wenig Lächeln
  • kein "echtes" Lächeln ("lächeln" die Augen mit?)
  • abweisende Körperhaltung (verschränkte Arme, abgewandter Oberkörper)

Fallen dir solche Signale im Gespräch vermehrt auf, solltest du vielleicht skeptisch werden.

Ein weiterer Typus ist der Mitläufer oder "Abnicker".

Gemeint sind damit Menschen, die sich generell eher an der Meinung der breiten Masse orientieren. Auf nützlichen Input oder frische Ideen wirst du vermutlich lange warten müssen.
Enttarnen lassen sich solche Mitarbeiter mit einem einfachen Trick:

Präsentiere ihnen offensichtlich blödsinnige Vorschläge. Wenn auf diese schlichtweg positive Reaktionen bzw. Zustimmung folgt, dann wirst du wissen, mit welchem Typus Mensch du es zu tun hast.

Was könnte der Grund für die Ja-Sageritis sein?

Jeder Mensch bringt seinen eigenen emotionalen, kulturellen und sozialen Hintergrund mit sich. Das wirkt sich natürlich entsprechend darauf aus, wie geneigt Mitarbeiter sind, Kritik zu äußern.
Ausschlaggebend ist aber vor allem, welche Erfahrungen deine Mitarbeiter in der Vergangenheit mit dem Äußern von Kritik gemacht haben. Waren das überwiegend schlechte Erfahrungen, dann ist die Hemmung natürlich größer.
Das solltest du berücksichtigen.
Auch wenn ein Mitarbeiter noch neu in deinem Unternehmen ist, kann es sein, dass er sich vorsichtshalber noch etwas zurückhaltender verhält.

Wie gut kann ich selber mit Kritik umgehen?

Sind deine Mitarbeiter allerdings schon länger in deinem Unternehmen angestellt und haben immer noch Schwierigkeiten mit dem Äußern von Kritik, dann ist es sinnvoll, die eigene Kritikfähigkeit und den Umgang mit Kritik zu reflektieren. In den meisten Fällen sind es nämlich die Reaktionen der Führungskräfte auf Kritik, die Mitarbeiter zögern oder verstummen lassen.

Stell dir einmal folgende Fragen:

  • Empfinde ich Kritik als Angriff, selbst wenn diese sachlich formuliert ist?
  • Wie reagiere ich, wenn Mitarbeiter Kritik äußern oder Feedback geben?
  • Fällt es mir schwer, eigene Schwächen wahrzunehmen und einzugestehen?
  • Bin ich in meiner Rolle als Chef zu sehr festgefahren und vernachlässige ich meine Mitarbeiter?
  • Kann ich gut zuhören?

Lies hier mehr zum Thema, wie du als Führungskraft besser mit Kritik umgehen kannst:

Tipps für Führungskräfte: Kritikfähigkeit verbessern

Gezielt zur Kritik ermutigen

Ein Weg, Mitarbeiter zum Äußern von Kritik und Geben von Feedback zu ermutigen, ist, sie gezielt nach ihrer Meinung zu fragen. Stelle möglichst präzise Fragen und bohr auch gerne etwas nach. 
Das ist ebenfalls sinnvoll bei „grauen Mäusen“, die Schwierigkeiten haben, sich aus einer Gruppe heraus zu Wort zu melden. Bitte sie dazu einfach zu einem Einzelgespräch. 

Scheu dich nicht davor, ein bisschen nachzubohren. Stelle Folgefragen und höre gut zu, was deine Mitarbeiter dir zu sagen haben. Es wird sich lohnen. 

Ich wünsche dir viel Erfolg! 

Nils

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